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2017: Frühjahrsfest mit Auktion

Mit dem eigenen Blut gemalt:
Nachruf auf Peter Gilles

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Il pelo nell’uovo

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Teufelsbrücke

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2003: Die Versuchung des heiligen Antonius

2002: Hic sunt Leones

Mit dem eigenen Blut gemalt

Nachruf auf Peter Gilles

In seinem kunsthistorischen Grundlagenwerk schreibt Heinrich Wölfflin, die Künstler arbeiteten mit ihrem Herzblut. Das war zwar nur metaphorisch gemeint, aber tatsächlich haben einige wenige Künstler wie Hermann Nitsch oder Felix Droese mit ganz realem Blut gearbeitet. Mit dem eigenen Lebenssaft ausschließlich hat aber wohl nur der Kölner Künstler Peter Gilles seine Bilder gestaltet. Dazu bestrich er seinen Körper mit seinem Blut und druckte ihn auf großformatige Papiere und Leinwände. In einem zweiten Arbeitsschritt wurden diese „Autoanthropometrien“, wie der Künstler sie nannte, mit Farbe, Kohle oder Erde überarbeitet. Dramatische Geschichten von innerer Zerrissenheit, Gefährdung und Erlösung wusste er auf diese Weise in seinen Bildern zu erzählen.

Körperabdrucke kennen wir aus der Kunstgeschichte seit Yves Klein, der seine weiblichen Modelle sich mit blauer Farbe auf Leinwände abdrucken ließ. Abdrucke des eigenen Körpers mit dem eigenen Blut kennen wir aber nur von Peter Gilles. Fast alle seine Bilder waren Fragmente zur Klärung der eigenen Identität, es waren Selbstbefragungen. Tatsächlich hat Gilles nur selten etwas anderes gemalt oder gezeichnet als den eigenen Körper oder Teile des selben. Auf den ersten Blick ist dies nicht immer zu erkennen, da er den Bildzusammenhang oft verfremdete und sich zwischen Körperlandschaften einerseits und fast informell anmutenden Bildern andererseits bewegte. Immer waren es Fragen nach Grenzerfahrungen des Menschen, des eigenen Ichs, stellvertretend aber auch des Menschen allgemein. Wie belastbar ist der Mensch, wie verändert er sich unter Extrembedingungen, zum Beispiel, wenn er sich am Rand eines aktiven Vulkankraters befindet, wo Gilles zeichnete und die Brandlöcher auf seinen Blättern später vorzeigen konnte. Diese Fragen führten ihn zu Performances, in denen er sich vor Publikum extremen Belastungen aussetzte, die sich für ihn wie auch für sein Publikum oft an der Grenze des Erträglichen bewegten – und sich gerade deshalb um so mehr in die Erinnerung einbrannten.

Seine oft großformatigen Bilder der steten Selbstbefragung wurden in den 1980er Jahren von vielen Museen, Sammlern, gerade auch von Peter Ludwig erworben. Ausstellungen fanden u.a. im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, Performances im Museum Ludwig in Köln und in mehreren Galerien statt. Seit Ende der 1990er Jahre war Peter Gilles zusammen mit seiner Frau Birgit Kahle und seinem italienischen Freund Giampiero Zanzi in einem deutsch-italienischen Künstlerprojekt „Lo Spirito del Lago“ am Lago Maggiore in Italien engagiert. Seine letzten großen Arbeiten und Rauminstallationen entstanden auf der Isola Bella und in Stresa.

Nach langer schwerer Krankheit ist der 1953 geborene Künstler am 2. März 2017 in seiner Heimatstadt Köln verstorben.

Hartmut Kraft